Samstag, 15. Januar 2011

Kaputt

Ich glaube, Évora ist kaputt. Es ist Winter. Und es regnet nicht... Merkwürdig! Mir ist auch nicht so kalt wie die letzten 1.5 Winter, die ich hier verbracht habe. T-Shirt plus Fleecepulli plus Decke ist genug zum Auf-dem-Sofa-sitzen-und-lesen. Na gut, ein Tee hin und wieder schadet nicht, oder auch mal aufstehen und draußen ne Runde rennen. ;) Aber so generell ist es zur Zeit relativ mild.

Gestern hab ich jedoch erfahren, dass das eher die Normalität ist. Bei einem Vortrag vom portugiesischen Wetterdienst wurde uns erzählt, dass die letzten Winter ungewöhnlich regnerisch waren. Es hat ja wirklich fast täglich geregnet. In verschiedenen Intesitäten zwar, aber immer nass. Diese Änderung der Sichtweise beruhigt micht ja schon etwas. Lässt es doch immerhin hoffen, auf die noch bevorstehenden 2 Winter.

Die hohe Luftfeuchtigkeit ist allerdings trotzdem da. Und es gibt jeden Tag Nebel bis mindestens mittags. Aber man gewöhnt sich ja bekanntlich an alles und Nebel ruft bei mir Kindheitserinnerungen wach :) Ist also nicht so schlimm.

Ach so, allen Lesern ein gesundes, glückliches und erfolgreiches neues Jahr! :)

Samstag, 20. November 2010

Reisen

Manch einen mag es erstaunen, aber ich bin überhaupt kein reiselustiger Mensch! Ich fühle mich zu Hause am wohlsten und Verreisen ist mir eher lästig. So!
Zuerst Koffer packen: Man hat ständig das Gefühl man vergisst irgendetwas und wenn man wieder zurück kommt hat man (im Idealfall) nix vergessen, sondern eher viel zu viel mitgenommen.
Dann gehts los: anderthalb Stunden Bus fahren durch das Nichts des Alentejo (was ich ja eigentlich sehr schön finde, aber was für 1.5 h doch etwas abwechslungsarm ist), dann quer durch Lissabon, Anstellen am Schalter im Flughafen, Handgepäck durcheinander Bringen an der Sicherheitskontrolle, Warten am Gate (lange..., weil man ja großzügig plant), Kaufen von überteuertem Wasser, viele drängelnde Menschen beim Einsteigen ins Flugzeug, die wohl Angst haben, dass sie keinen Sitzplatz mehr bekommen, und dann...
ein Lichtblick!
Für mich das Größte beim Fliegen, ist der Start. Es scheint eine physikalische Unmöglichkeit! Dieser tonnenschwere Koloss aus Stahl, Plastik, Karbon (keine Ahnung...) und beladen mit so vielen Menschen fährt zur Startbahn, wartet auf das Ok vom Tower und gibt Gas! Er wird immer schneller, ruckelt und wackelt und rüttelt und wird noch schneller. Und dann hört das Ruckeln, das Wackeln und das Rütteln plötzlich auf und das Flugzeug wird ruhig (natürlich nicht im akustischen Sinne). Es fliegt! Wider aller Erwartungen meinerseits. Nach so vielen Flügen kann ich es trotzdem jedes Mal nicht wirklich glauben! Das Flugzeug gewinnt schnell an Höhe und an einem gewissen Punkt lässt der Schub nach und es fühlt sich an, als würde das Flugzeug nach unten fallen. Es kribbelt im Bauch bis man sich klar gemacht hat, dass es nur nicht mehr so stark steigt wie bisher. Und dann wirds uninteressant. Also abhängig von Wetter, Tageszeit und Sitzplatz. Am schönsten ist, einen Fensterplatz zu haben und eine klare Nacht. Dann kann man die Reflektion des Mondes auf Flüssen und Seen verfolgen. Silberne Bänder huschen schnell durch das so weit entfernte, schwarze Land. Wunderschön!
Nach der Landung bewundert man den Piloten und bedankt sich innerlich(!) für seinen tollen Job. Und man ist plötzlich wo ganz anders. Anderes Land, andere Sprache, andere Zeit. Manchmal fühle ich mich dann allein und hilflos, meistens schwanke ich aber nur zwischen müde und abenteuerlustig.

Nun gibt es für mich zwei verschiedene Arten von Reisen. Erstens die Dienstreisen, also Konferenzen, Meetings, Messkampagnen, Workshops und so weiter, und zweitens Urlaubsreisen. Die Dienstreisen sind für mich unvermeidbar, haben einen guten Grund und sind auch immer sehr interessant und schön. Aber ohne diesen guten Grund, würde ich gar nicht auf die Idee kommen, St. Petersburg, Genf oder Madrid zu bereisen.
Die Urlaubsreisen sind nicht, wie bei vielen anderen, dadurch motiviert, dass ich fremde Länder, Kulturen und Sehenswürdigkeiten kennenlernen will. Es reizt mich nicht, große Städte zu bereisen, weil es da unweigerlich sehr viele (zu viele!) Menschen auf einem Haufen gibt. Und Urlaub auf dem Land macht auch nur Spaß, wenn man dort liebe Leute kennt. Meinen Urlaub verbring ich daher immer zu Hause oder bei guten Freunden. Entscheidend sind also die Personen, die ich besuche und nicht die Orte.

Am Dienstag gehts nach Barcelona zu einem Meeting.
Am Freitag flieg ich direkt weiter nach Paris, einen Freund besuchen.
Ja, so reiseunlustig bin ich! ;)

Dienstag, 16. November 2010

Menschen

Es gibt so viele verschiedene Typen von Menschen. Zum Beispiel der Positive. Er ist überschäumende Lebensfreude, lacht oft und laut, freut sich über alles und teilt diese Freude auch. Für ihn ist das Leben anscheinend ein einziger großer Spaß.

Dann gibt es solche, denen passiert ein Unglück nach dem anderen. Kaum denken sie drüber nach, sich wieder aufzurappeln, kommt der nächste Schlag. Für solche Menschen scheint die Sonne nur selten. Und wenn dann zu heiß, zu grell und zu kurz sowieso.

Es gibt außerdem Menschen, die alles ganz nüchtern betrachten. Sogar, wenn sie betrunken sind. Sie sind rationell und haben für alle Probleme eine Lösung. Die ganze Welt besteht für sie nur aus Ursache und Wirkung. Diese Menschen scheinen mit sich zufrieden, da sie offenbar gar nicht über Glück oder Unglück nachdenken.

Und dann gibt es die Träumer. Sie haben mehr als genug Fantasie, glauben an Magie, Schicksal und alles was dazugehört. Das wirkliche Leben brauchen sie eigentlich gar nicht, weil sie den Tag in ihrer eigenen kleinen Welt ganz gut rumbringen können.

Zum Glück existieren diese Typen nicht in Reinform! Und natürlich gibt es noch andere, die mich gerade nicht beschäftigen und deshalb nicht auftauchen.
Mich würde allerdings noch interessieren, ob andere einen genauso 'kategorisieren' würden, wie man selbst. Wer sich traut, kann es mit mir ja mal probieren ;)
(Haupttyp und/oder prozentualen Angaben für jeden Typen als Kommentar oder per Mail)

Montag, 25. Oktober 2010

nochmal Madrid

Spanien erscheint mir gerade wie das gelobte Land. Nach 22 Monaten Portugal und vor allem Évora, tut es gut offene Menschen zu treffen, die mit einem sprechen, auf einen zugehen und einen einbeziehen. Es macht Spaß das Wochenende mit fröhlichen, lieben Menschen zu verbringen, die nicht genauso genervt sind von so vielem, wie man selber in Évora, sondern genauso neugierig, unternehmungslustig und offen gegenüber Neuem. Ich habe hier in Madrid nach einer Woche schon mehr Freunde gefunden, als in Évora in einem halben Jahr - und zwar keine Ausländer, sondern Spanier! Es geht also doch! Und ich kann jetzt schon fast besser Spanisch als Portugiesisch :)
Madrid selbst ist sehr schön, präsentiert sich aber auch im besten Herbstwetter: strahlend blauer Himmel, warme Tage, kalte Nächte. Es gibt viel Grün, schöne Sehenswürdigkeiten und viel zu Essen - aber natürlich auch sehr viele Menschen! Trotzdem ist es sauber, die Gehwege sind begehbar und unser Gästehaus ist auch sehr toll!
Und es gibt joggende und Rad fahrende Frauen!
Und die Schokolade ist billiger!
und so :)

Samstag, 16. Oktober 2010

Madrid

Ich möchte mich nur kurz verabschieden. Also nicht vom Blog, aber von Évora. Morgen gehts für 3 Wochen nach Madrid. Dort werde ich hauptsächlich arbeiten. Aber ich hoffe natürlich, dass ich auch mal dazu komme, die Stadt anzugucken und Karten zu schreiben ;) Und vielleicht schaff ich es sogar mal einen Madrid-Beitrag zu verfassen. Immer vorausgesetzt, dass wir alle heil ankommen. Ich darf (soll/muss) nämlich auch einen Teil der Strecke fahren - mit nem Transporter mit fragiler Fracht! Ich bin ja mal gespannt, wie das so wird...

Montag, 4. Oktober 2010

Regen

Was der Titel eventuell nicht vermuten lässt, die heutige Botschaft lautet: Das Leben ist schön! Woher ich das weiß? Hmm, gute Frage. Vielleicht, weil ich Mensch bin. ;) Wer es mir trotzdem nicht glauben kann, bekommt hier ein paar meiner Sichtweisen aufgezählt.

Zu den Dingen, die ich am liebsten mag, gehört mein Bett! Abends müde ins Bett zu gehen ist meiner Ansicht nach eines der größten Geschenke, die man bekommen kann. Dass man müde ist setzt voraus, dass man einen ausgefüllten Tag hatte. Und das Bett an sich verspricht Geborgenheit, Wärme, Ruhe, Schlaf und Erholung. Und das bekommt man jeden Tag gratis! Das ist doch klasse, oder?

Jetzt hab ich gleich mit dem Abend angefangen, aber zurück zum Tag. Man verlässt das Haus und trifft auf: Das Wetter - immer wieder Gegenstand der Unzufriedenheit. Aber warum? Ist es nicht Energieverschwendung, sich über etwas zu ärgern, was man sowieso nicht ändern kann? Ich weiß, ich selbst finde die Hitze manchmal unerträglich, oder den dauernden Regen deprimierend. Das geht wohl jedem so. Aber hat nicht alles auch seine guten Seiten?
  • Es ist nieselig trüb, alles grau und obendrein auch noch kalt? Wann schmeckt eine Tasse Tee besser als an so einem Tag?
  • Die Sonne brennt ohne Erbarmen, es ist lebensfeindlich heiß? Immer dran denken: der nächste Winter kommt bestimmt.
  • Der Winter ist da, der Schnee liegt knietief und es sind -20 °C? Hmm... ich seh hier kein Problem ;) - vorausgesetzt es gibt Häuser mit Heizungen und Badewannen. Keine Heizung? Sport hilft! Am besten Abends vorm Schlafen gehen, denn frierend ins Bett gehen macht das ganze tolle Erlebnis (siehe oben) zunichte.
  • Es regnet seit Tagen ohne Unterlass? Eine weitere Gelegenheit meine wasserdichten Schuhe und meinen Sturmschirm einem Härtetest zu unterziehen.

Eine weitere ganz simple Sache, die mich aber trotzdem sehr zufrieden macht, ist einen saubere Wohnung. Wenn es also mal wieder ans Putzen geht, hilft es mir immer zur Motivation an das Ergebnis zu denken.

Für viele Menschen ist es unschön (bishin zu unerträglich), allein zu sein. Ich glaube dafür fehlt mir einfach ein Gen. Ich bin zufrieden mit dem Alleinleben. Mit mir selber komm ich glücklicherweise ganz gut klar. :)

Ach so, und nochmal zum Titel: Heute hat es hier zum ersten Mal seit Monaten wieder richtig geregnet.

Mittwoch, 29. September 2010

Von Gestern

Ich war gerade joggen. Da kann man so schön nachdenken. Wenn mich etwas beschäftigt oder aufregt, hilft es eigentlich meistens, eine Runde zu rennen. Dann ist der Kopf wieder frei und man kann beruhigt ins Bett gehen, ohne das Problem in selbigem durchdenken zu müssen. Heute hatte ich viel zu denken. Und nach einer Stunde, in der ich überhaupt nicht gemerkt habe, dass ich laufe, war ich irgendwie noch nicht fertig damit. Falls ich also irgendwann einen Halbmarathon laufen will, muss ich mir vorher nur ein Problem anlachen und ein paar Wochen schmoren lassen - das hält dann schon für 2-3 Stunden. ;) Damit ich nachher trotzdem wie gewohnt schnell einschlafen kann, muss ich es eben noch aufschreiben.

Ihr habt sicher schon mal vom Charme südländischer Männer gehört. Genau das ist mein Problem. Ich habe ja nichts gegen Männer, die mir Komplimente machen. Aber das ist mir hier meines Wissens auch noch nicht passiert (außer gelegentlich von Männern, die ich kenne und die nicht zwingend Südländer sind). Hier starren sie einen an, sie glotzen, sie hupen, sie rufen einem aus fahrenden Autos zweifelhafte Bemerkungen zu. Ich gebe zu, dass ich die Worte, die sie da rufen, nicht verstehe. Aber der Tonfall und die Art und Weise (aus fahrenden Autos...) sprechen eine deutliche Sprache. Es sind die Jüngeren, die sich so lautstark bemerkbar machen. Männer mittleren und höheren Alters beschränken sich aufs visuelle Grabschen (sorry, es fällt mir kein besserer Ausdruck ein, das zu beschreiben) oder eine gemurmelte Bemerkung im Vorbeigehen. Natürlich nur, wenn sie meinen, die Ehefrau merkts nicht. Damit liegen sie natürlich meist falsch und ich ziehe somit auch die geringschätzigen Blicke der Frauen mittleren Alters auf mich.
Ehe hier ein falsches Bild entsteht: Es sind natürlich nicht alle so. Und ich glaube fest daran, dass es liebe und nette Portugiesen gibt, die sich anständig benehmen. Aber vorsichtig geschätzt trifft es auf etwa ein Viertel der Männer zu. Es passiert also nicht ab und zu mal, sondern mehrmals täglich. Jedenfalls das Glotzen. Zurufe bekomme ich etwa einmal die Woche. Und das zerrt ganz schön an meinen Nerven! Ich werde paranoid, glaube alle starren mich an, ich lächle nicht mehr, wenn ich die Straße entlang gehe - es könnte ja missverstanden werden, ich werde verbittert und freue mich, meine Wohnungstür hinter mir schließen zu können. Laufen ist für mich oft nicht mehr Entspannung sondern eher ein Spießrutenlauf. Aber ich will doch mein Lächeln, meine positive Einstellung und mein Bemühen um Vorurteilsfreiheit nicht aufgeben! :(

Wie machen das also die portugiesischen Frauen? Passiert denen das nicht? Stört die das nicht? Ich hab das mal beobachtet. (Nein, ich hab niemanden angestarrt dabei!)
Die Männer glotzen! Ganz offen! Aber nicht ins Gesicht oder auf die schönen langen Haare, die die meisten jungen Frauen hier haben - falls ihr versteht, was ich meine...
Bei mir kommt dann wahrscheinlich noch erschwerend hinzu, dass ich anders bin. Portugiesische Frauen joggen nicht, sie tragen keinen Rucksack zum Einkaufen, sie fahren nicht Fahrrad (ehrlich!). Gut, ich will nicht wieder alle über einen Kamm scheren. Das haben sie sicher nicht verdient - das hat niemand - aber es ist äußerst selten. Von meiner Radtour am Samstag hatte ich ja kurz berichtet. Ich habe (für Portugal) relativ viele andere Radfahrer getroffen unterwegs, etwa 20 vielleicht. Und 0% davon waren Frauen - und nein, es fehlt keine 1, 2 oder 3 davor!

Ich werde jetzt noch ein wenig Bram Stokers Dracula lesen, um mein aufgewühltes Gemüt zu beruhigen ;) Ein sehr gutes Buch übrigens! Danke der großzügigen Schenkerin :)