Eine Woche vegan ernähren - das war der Plan. Nach dieser Woche wollte ich einen Erfahrungsbericht abgeben. Allerdings ist schon am ersten Tag etwas passiert, was ich unbedingt gleich teilen möchte.
Normalerweise koche ich mir abends etwas für den nächsten Tag mittags, damit ich es nur noch aufwärmen muss. Vorgestern hab ich das auch wieder so gemacht. Gestern Mittag stellte ich also den Topf auf den Herd, machte das Gas an und da sah ich eine kleine Spinne über den Herd rennen. Sie kam leider nicht weit. Ich versuchte noch, sie von den Flammen weg zu pusten, aber es war schon zu spät.
Da versuche ich also Fleisch, Fisch und Tierprodukte aus meinem Speiseplan zu streichen, um den Tod von Tieren und Massentierhaltung nicht zu unterstützen und da stirbt mir - auf meinem Herd! - eine Spinne!
Portugal und ich
Meine ganz persönlichen, äußerst subjektiven, manchmal nicht ganz ernst gemeinten Gedanken über das Leben (fast) am Rande des Kontinents, und überhaupt
Mittwoch, 4. April 2012
Montag, 2. April 2012
Energie
Earth hour bedeutet: Am letzten Samstag im März um 20:30 Uhr (Ortszeit) das Licht auszuschalten und für eine Stunde aus zu lassen. Es geht dabei nicht so sehr darum Strom zu sparen, sondern sich selbst bewusst zu werden wie sehr man davon abhängig ist. Letztes Jahr hab ich diese Idee ausgeweitet auf Computer und Telefon und zwar nicht nur für eine Stunde sondern den ganzen Abend und die darauf folgende Nacht (was nicht so ein großes Problem war ;)). Da ich keinen Fernseher und keinen Internetanschluss zu Hause habe und mich sowieso kaum jemand anruft, ist es mir recht leicht gefallen. Deshalb hab ich die Regeln dieses Jahr verschärft:
Keine Elektrizität - aus dem Netz oder aus Baterien, kein Gas oder sonstige Treibstoffe (außer meinem - kalten - Essen, Streichhölzern und Kerzen) und das für 36 Stunden. Also am Samstag Abend hab ich den Kühlschrank abgestellt und bis Montag Morgen galt es kalt zu duschen, keine Zeitangaben zu haben außer Kirchenglockengebimmel und keinen Tee. Das sind die Dinge, die mich am meisten eingeschränkt haben. Und diesen Blogbeitrag hab ich natürlich auf Papier geschrieben! Mit einem Stift!
Und ich stelle fest: Es geht! Glücklicherweise ist es noch nicht so heiß, dass Lebensmittel ungekühlt verderben aber auch nicht so kalt, dass ich warm duschen müsste oder heißen Tee bräuchte. Was mir aber bewusst wurde ist, dass ich indirekt immernoch Unmengen von Energie "verbrauche". Alles was mich umgibt wurde natürlich unter Energieaufwand hergestellt und das Meiste wohl leider auch auf Kosten (materiell) ärmerer Menschen und der Natur. Oft wissen wir es gar nicht und ich dachte bisher auch nicht so genau darüber nach. Jetzt werde ich natürlich nicht alle meine Sachen wegwerfen und in eine Höhle ziehen, aber ich werde wohl noch mehr darauf achten, sorgsam mit den Dingen umzugehen. Denn sie haben nicht nur den Wert, der sich in Geld berechnen lässt - und der allzu oft verzerrt ist.
Keine Elektrizität - aus dem Netz oder aus Baterien, kein Gas oder sonstige Treibstoffe (außer meinem - kalten - Essen, Streichhölzern und Kerzen) und das für 36 Stunden. Also am Samstag Abend hab ich den Kühlschrank abgestellt und bis Montag Morgen galt es kalt zu duschen, keine Zeitangaben zu haben außer Kirchenglockengebimmel und keinen Tee. Das sind die Dinge, die mich am meisten eingeschränkt haben. Und diesen Blogbeitrag hab ich natürlich auf Papier geschrieben! Mit einem Stift!
Und ich stelle fest: Es geht! Glücklicherweise ist es noch nicht so heiß, dass Lebensmittel ungekühlt verderben aber auch nicht so kalt, dass ich warm duschen müsste oder heißen Tee bräuchte. Was mir aber bewusst wurde ist, dass ich indirekt immernoch Unmengen von Energie "verbrauche". Alles was mich umgibt wurde natürlich unter Energieaufwand hergestellt und das Meiste wohl leider auch auf Kosten (materiell) ärmerer Menschen und der Natur. Oft wissen wir es gar nicht und ich dachte bisher auch nicht so genau darüber nach. Jetzt werde ich natürlich nicht alle meine Sachen wegwerfen und in eine Höhle ziehen, aber ich werde wohl noch mehr darauf achten, sorgsam mit den Dingen umzugehen. Denn sie haben nicht nur den Wert, der sich in Geld berechnen lässt - und der allzu oft verzerrt ist.
Donnerstag, 29. März 2012
Zuhause?
Vor etwas mehr als drei Jahren kam ich mir ziemlich erfahren vor, als mir schon vorher klar war, dass ein Umzug nach Portugal nur eine äußerliche Veränderung sein würde. Als ich dann hier ankam war es also nicht überraschend, dass ich immernoch der gleiche Mensch war, der aus Deutschland abgereist war. Jetzt merke ich allerdings dass ich mich doch verändert habe. Das ist ja auch ganz normal. Drei Jahre ziehen nicht einfach spurlos vorbei. War es aber nur die Zeit, die mich verändert hat, oder auch Portugal? Wäre ich jetzt anders, wenn ich in Deutschland geblieben oder irgendwo anders hingegangen wäre? Ganz bestimmt, würde ich sagen. Die nächste Frage die sich stellt: Wäre das gut oder schlecht? Das ist doch völlig irrelevant. Ich neige eigentlich nicht dazu, Dinge in Frage zu stellen die sich nicht ändern lassen. Was mich aber darüber nachdenken lässt ist, dass meine Zeit hier langsam zuende geht. Ich würde gerne nach Deutschland zurück kommen. Die Frage ist nur: Wie wird es sein nach der langen Zeit im Ausland? Und ist es auch dann nur eine äußerliche Veränderung wie vier Jahre zuvor?
Montag, 19. März 2012
Fisch
Heute stand ich im Supermarkt und wollte mal wieder eine Dose Thunfisch kaufen. Die letzte hatte ich kürzlich leer gemacht nachdem sie etwa ein Jahr bei mir im Schrank stand für den Fall, dass ich mal keine Zeit zum Einkaufen hätte. Dieser Fall war eingetreten und ich sah mich in meinem Vorgehen bestätigt. Daher wollte ich den Vorrat wieder auffüllen.
Als ich also vor dem Regal stand und nach der Dose griff, sah ich das Delphin-Symbol und dachte: "gut". Aber irgendetwas stimmt doch damit nicht! Um mal naiv zu bleiben: Es wurden also keine Delphine getötet beim Fang der Thunfische. Na und? Aber Thunfische! Das mag jetzt witzig klingen. Ist es aber nicht. Was macht einen Delphin wertvoller als einen Thunfisch? Dass sie so aussehen, als würden sie lächeln? Dass sie durch Reifen springen können? Oder, dass sie aussortiert werden müssen, weil sie nicht schmecken?
Menschen wollen also ihr Gewissen nicht mit dem Tod eines Delphins belasten, essen aber fast täglich Fleisch oder Fisch? Wie paradox! Was gibt uns das Recht, diese Auswahl zu treffen? Unsere fragwürdige Überlegenheit? Ich habe das Gefühl, dass die Verantwortung die wir dadurch tragen ein paar Nummern zu groß für uns ist.
Ich bin ja selbst kein Vegetarier. Fleisch esse ich zwar schon lange nur noch, wenn ich irgendwo eingeladen bin, Fisch gab es aber doch ab und zu. Das werde ich jetzt nochmal überdenken. Die Dose Thunfisch hab ich nicht mitgenommen.
Als ich also vor dem Regal stand und nach der Dose griff, sah ich das Delphin-Symbol und dachte: "gut". Aber irgendetwas stimmt doch damit nicht! Um mal naiv zu bleiben: Es wurden also keine Delphine getötet beim Fang der Thunfische. Na und? Aber Thunfische! Das mag jetzt witzig klingen. Ist es aber nicht. Was macht einen Delphin wertvoller als einen Thunfisch? Dass sie so aussehen, als würden sie lächeln? Dass sie durch Reifen springen können? Oder, dass sie aussortiert werden müssen, weil sie nicht schmecken?
Menschen wollen also ihr Gewissen nicht mit dem Tod eines Delphins belasten, essen aber fast täglich Fleisch oder Fisch? Wie paradox! Was gibt uns das Recht, diese Auswahl zu treffen? Unsere fragwürdige Überlegenheit? Ich habe das Gefühl, dass die Verantwortung die wir dadurch tragen ein paar Nummern zu groß für uns ist.
Ich bin ja selbst kein Vegetarier. Fleisch esse ich zwar schon lange nur noch, wenn ich irgendwo eingeladen bin, Fisch gab es aber doch ab und zu. Das werde ich jetzt nochmal überdenken. Die Dose Thunfisch hab ich nicht mitgenommen.
Dienstag, 16. August 2011
Bäcker sein
Mein Vati hat mal gesagt, dass ich selbst dann einen Kuchen backen kann, wenn gar keine Zutaten im Haus sind. Ein noch besseres Gefühl als beim Kuchen backen (kaum vorstellbar) hat man aber, wenn man sein eigenes Brot bäckt. Das erfüllt mich immer mit tiefster Zufriedenheit. Man hat ein Brot und weiß was drin ist. Man hat Zeit - und natürlich viel Liebe - investiert und das schmeckt man! Das hat mir in meiner neuen Wohnung mit Miniküche ohne Backröhre immer gefehlt. Jetzt hab ich aber in einem (sehr guten) italienisch vegetarischen Kochbuch ein Rezept für ein Brot gefunden, das hauptsächlich in der Pfanne gebacken wird. Das Kochbuch sagt, dass das Brot danach noch 5 Minuten in den Ofen soll. Hallo? 5 Minuten? Was soll das bringen? Ich habs einfach ignoriert. Es hat geklappt! Und mein erstes Pfannenbrot war superlecker!
Das heißt also: Bäcker ist man, wenn man ohne Zutaten und ohne Backröhre immer noch backen kann :)
Das heißt also: Bäcker ist man, wenn man ohne Zutaten und ohne Backröhre immer noch backen kann :)
Montag, 15. August 2011
Andanças
Letztes Wochenende war ich auf einem Tanzfestival im Norden Portugals. Obwohl es mein erstes Festival war, ahnte ich, dass ich nicht der Typ für sowas bin. Viele Menschen gibt es da, kein Bett, provisorische Toiletten und Duschen und wenn es dann auch noch regnet jede Menge Matsch und ein feuchtes Zelt. Und für mich als Misanthropen, Waschfanatiker und Schlafneurotiker (nicht zu kurz, nicht zu lang; nicht zu kalt, nicht zu warm; nicht zu hart, nicht zu weich...) gab es genügend Unbequemlichkeitspotenzial. Das Interessante und Wunderbare ist, es hat mir überhaupt nix ausgemacht. Und das lag natürlich am Tanzen!
Es war eine unglaublich tolle Erfahrung!
Tagsüber gab es immer etwa 5 Tanzworkshops parallel und abends 2 Konzerte parallel von 21 Uhr abends bis 3 oder 4 Uhr früh (also 4-5 Konzerte hintereinander). Es gab also reichlich Gelegenheit, neue Musik, neue Kulturen, neue Tänze, neue Bewegungen - und neue Muskeln - kennenzulernen. Ich hab orientalischen Tanz ausprobiert und war fasziniert. Gar nicht so einfach Arm-, Bein-, Hüft-, Schulter- und Handbewegungen zu koordinieren. Und dabei dann auch noch Lächeln...
Außerdem hab ich bei einem Hip Hop Workshop zugeguckt. Ja, es ist tatsächlich Tanz! Und es ist sogar anstrengend und verlangt ne Menge Körperbeherrschung. Also wenn die Leute so lässig aussehen, beruht das auf hartem Training.
Im Gegensatz dazu kann jeder die traditionellen portugiesischen Tänze relativ einfach lernen. Ich kannte ja schon einige von meinem Tanzkurs in Évora. Und ich finde es toll, dass solche Traditionen gepflegt und erhalten werden. Mir ist aufgefallen, dass ich inzwischen mehr portugiesische Tänze kenne als deutsche. Da besteht also Nachholbedarf!
Bei den traditionellen afrikanischen Tänzen hab ich auch mitgemacht. Unglaublich! Man springt von einem Fuß auf den anderen, wirft die Arme, Hände und Kopf in alle möglichen - und unmöglichen - Richtungen und kann dabei so richtig schön bescheuert aussehen. Es ist völlig egal und keiner achtet drauf. Weil alle nur zu dem einen Grund dort sind: Tanzen! Loslassen! Eins sein mit seinem eigenen Körper! Und nach zwei Stunden ist man klitschnass geschwitzt und der Nacken tut nicht mehr weh! Seit dem Weihnachtsurlaub!
Ein absolut geniales Wochenende!
Es war eine unglaublich tolle Erfahrung!
Tagsüber gab es immer etwa 5 Tanzworkshops parallel und abends 2 Konzerte parallel von 21 Uhr abends bis 3 oder 4 Uhr früh (also 4-5 Konzerte hintereinander). Es gab also reichlich Gelegenheit, neue Musik, neue Kulturen, neue Tänze, neue Bewegungen - und neue Muskeln - kennenzulernen. Ich hab orientalischen Tanz ausprobiert und war fasziniert. Gar nicht so einfach Arm-, Bein-, Hüft-, Schulter- und Handbewegungen zu koordinieren. Und dabei dann auch noch Lächeln...
Außerdem hab ich bei einem Hip Hop Workshop zugeguckt. Ja, es ist tatsächlich Tanz! Und es ist sogar anstrengend und verlangt ne Menge Körperbeherrschung. Also wenn die Leute so lässig aussehen, beruht das auf hartem Training.
Im Gegensatz dazu kann jeder die traditionellen portugiesischen Tänze relativ einfach lernen. Ich kannte ja schon einige von meinem Tanzkurs in Évora. Und ich finde es toll, dass solche Traditionen gepflegt und erhalten werden. Mir ist aufgefallen, dass ich inzwischen mehr portugiesische Tänze kenne als deutsche. Da besteht also Nachholbedarf!
Bei den traditionellen afrikanischen Tänzen hab ich auch mitgemacht. Unglaublich! Man springt von einem Fuß auf den anderen, wirft die Arme, Hände und Kopf in alle möglichen - und unmöglichen - Richtungen und kann dabei so richtig schön bescheuert aussehen. Es ist völlig egal und keiner achtet drauf. Weil alle nur zu dem einen Grund dort sind: Tanzen! Loslassen! Eins sein mit seinem eigenen Körper! Und nach zwei Stunden ist man klitschnass geschwitzt und der Nacken tut nicht mehr weh! Seit dem Weihnachtsurlaub!
Ein absolut geniales Wochenende!
Freitag, 29. Juli 2011
Hochzeit
... oder standesamtliche Trauung auf Portugiesisch
Vorige Woche hatte ich die Ehre, Trauzeuge bei der standesamtlichen Vermählung zweier Freunde zu sein. Sie ist Russin und er ist Franzose. Es war also keine typisch portugiesische Hochzeit, die wohl üblicherweise eher kirchlich gefeiert werden. Einige Wochen vor der Zeremonie mussten die beiden die ganzen Dokumente einreichen, darunter auch Kopien der Pässe der Trauzeugen (ich und Pavan, ein Inder).
Am großen Tag hatte sich eine kleine Gruppe von knapp 20 Leuten vor dem Standesamt eingefunden, davon nur zwei Portugiesen, von denen die Hälfte auch noch minderjährig war. ;) Zuerst wurden wir, das Brautpaar und die Trauzeugen, im Büro des Standesamtes um die Bestätigung unserer Daten und der Aussprache unserer Namen gebeten. Danach durften alle ins Trauzimmer. In dem typisch alentejanisch gekachelten Raum gab es etwa 10 Stühle. Das Brautpaar und die Standesbeamtin haben sich also an den Tisch gesetzt, der mit einem verstaubten, traurigen Kunstblumengesteck verziert war. Alle anderen standen drum herum.
Nachdem die Standesbeamtin nach der Portugiesenquote gefragt hatte, entschied sie sich, die Zeremonie in Englisch zu halten. Vielleicht war es deswegen so kurz. Sie nahm Notizen zur Hilfe um die gesetzlichen Verpflichtungen der Ehe nach portugiesischem Gesetz darzulegen, und hat das gut hinbekommen. Nur beim Nachnamen der Braut brauchte sie einen zweiten Anlauf und meinte, ihr Russisch sei nicht so gut ;) Danach las sie die Namen der Trauzeugen vor - meinen zuerst - sie guckte, ob ich auch wirklich da bin, ich hob die Hand, sie nickte. Danach Pavan: Name vorlesen, gucken, nicken... ach nein doch nicht (wir hatten einen zweiten Inder im Publikum versteckt). Dann fragte sie die Brautleute die entscheidende Frage und beide antworteten mit Ja. Und dann meinte sie zum Brautpaar: Also wenn sie wollen, können sie jetzt hier unterschreiben, fürs Foto. Aber ich gebe ihnen sowieso gleich einen anderen Zettel mit dem gleichen Inhalt (die Namen und Daten der Brautleute und der Trauzeugen) und eine Unterschrift brauchen wir da nicht.
Danach ging sie ins Nebenzimmer, um die Urkunde fertig zu machen. Derweil unterschrieb die Braut den Zettel - fürs Foto. Aber irgendwas fehlte noch. Pavan hatte immer noch die Ringe einstecken. Ich machte ihn drauf aufmerksam und den Rest - Ringe austauschen und Braut küssen und so - haben wir ohne die Standesbeamtin durchzeremoniert. Sie kam dann wieder und brachte die Unterlagen. Danach war es auch schon wieder vorbei.
Ich nehme an, dass die 'Zeremonie' so nüchtern war, weil es in Portugal eher üblich ist, auch kirchlich zu heiraten und dort die eigentliche Hochzeit stattfindet. Und dann geht man nur noch aufs Standesamt um zu... hmm... was eigentlich? Ich hätte jetzt fast 'unterschreiben' geschrieben. Aber das war ja nur fürs Foto. Nicht mal die Trauzeugen mussten irgendetwas unterschreiben und auch der Bräutigam meinte, dass er während des gesamten Prozesses kein einziges Dokument unterschrieben hat und dass er sich irgendwie veralbert fühlt. Und auch ich hatte mich so gefreut auf die Pflicht eines Trauzeugen! Nicht mal ausweisen mussten wir uns dort.
Vorige Woche hatte ich die Ehre, Trauzeuge bei der standesamtlichen Vermählung zweier Freunde zu sein. Sie ist Russin und er ist Franzose. Es war also keine typisch portugiesische Hochzeit, die wohl üblicherweise eher kirchlich gefeiert werden. Einige Wochen vor der Zeremonie mussten die beiden die ganzen Dokumente einreichen, darunter auch Kopien der Pässe der Trauzeugen (ich und Pavan, ein Inder).
Am großen Tag hatte sich eine kleine Gruppe von knapp 20 Leuten vor dem Standesamt eingefunden, davon nur zwei Portugiesen, von denen die Hälfte auch noch minderjährig war. ;) Zuerst wurden wir, das Brautpaar und die Trauzeugen, im Büro des Standesamtes um die Bestätigung unserer Daten und der Aussprache unserer Namen gebeten. Danach durften alle ins Trauzimmer. In dem typisch alentejanisch gekachelten Raum gab es etwa 10 Stühle. Das Brautpaar und die Standesbeamtin haben sich also an den Tisch gesetzt, der mit einem verstaubten, traurigen Kunstblumengesteck verziert war. Alle anderen standen drum herum.
Nachdem die Standesbeamtin nach der Portugiesenquote gefragt hatte, entschied sie sich, die Zeremonie in Englisch zu halten. Vielleicht war es deswegen so kurz. Sie nahm Notizen zur Hilfe um die gesetzlichen Verpflichtungen der Ehe nach portugiesischem Gesetz darzulegen, und hat das gut hinbekommen. Nur beim Nachnamen der Braut brauchte sie einen zweiten Anlauf und meinte, ihr Russisch sei nicht so gut ;) Danach las sie die Namen der Trauzeugen vor - meinen zuerst - sie guckte, ob ich auch wirklich da bin, ich hob die Hand, sie nickte. Danach Pavan: Name vorlesen, gucken, nicken... ach nein doch nicht (wir hatten einen zweiten Inder im Publikum versteckt). Dann fragte sie die Brautleute die entscheidende Frage und beide antworteten mit Ja. Und dann meinte sie zum Brautpaar: Also wenn sie wollen, können sie jetzt hier unterschreiben, fürs Foto. Aber ich gebe ihnen sowieso gleich einen anderen Zettel mit dem gleichen Inhalt (die Namen und Daten der Brautleute und der Trauzeugen) und eine Unterschrift brauchen wir da nicht.
Danach ging sie ins Nebenzimmer, um die Urkunde fertig zu machen. Derweil unterschrieb die Braut den Zettel - fürs Foto. Aber irgendwas fehlte noch. Pavan hatte immer noch die Ringe einstecken. Ich machte ihn drauf aufmerksam und den Rest - Ringe austauschen und Braut küssen und so - haben wir ohne die Standesbeamtin durchzeremoniert. Sie kam dann wieder und brachte die Unterlagen. Danach war es auch schon wieder vorbei.
Ich nehme an, dass die 'Zeremonie' so nüchtern war, weil es in Portugal eher üblich ist, auch kirchlich zu heiraten und dort die eigentliche Hochzeit stattfindet. Und dann geht man nur noch aufs Standesamt um zu... hmm... was eigentlich? Ich hätte jetzt fast 'unterschreiben' geschrieben. Aber das war ja nur fürs Foto. Nicht mal die Trauzeugen mussten irgendetwas unterschreiben und auch der Bräutigam meinte, dass er während des gesamten Prozesses kein einziges Dokument unterschrieben hat und dass er sich irgendwie veralbert fühlt. Und auch ich hatte mich so gefreut auf die Pflicht eines Trauzeugen! Nicht mal ausweisen mussten wir uns dort.
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