Freitag, 29. Juli 2011

Hochzeit

... oder standesamtliche Trauung auf Portugiesisch

Vorige Woche hatte ich die Ehre, Trauzeuge bei der standesamtlichen Vermählung zweier Freunde zu sein. Sie ist Russin und er ist Franzose. Es war also keine typisch portugiesische Hochzeit, die wohl üblicherweise eher kirchlich gefeiert werden. Einige Wochen vor der Zeremonie mussten die beiden die ganzen Dokumente einreichen, darunter auch Kopien der Pässe der Trauzeugen (ich und Pavan, ein Inder).
Am großen Tag hatte sich eine kleine Gruppe von knapp 20 Leuten vor dem Standesamt eingefunden, davon nur zwei Portugiesen, von denen die Hälfte auch noch minderjährig war. ;) Zuerst wurden wir, das Brautpaar und die Trauzeugen, im Büro des Standesamtes um die Bestätigung unserer Daten und der Aussprache unserer Namen gebeten. Danach durften alle ins Trauzimmer. In dem typisch alentejanisch gekachelten Raum gab es etwa 10 Stühle. Das Brautpaar und die Standesbeamtin haben sich also an den Tisch gesetzt, der mit einem verstaubten, traurigen Kunstblumengesteck verziert war. Alle anderen standen drum herum.
Nachdem die Standesbeamtin nach der Portugiesenquote gefragt hatte, entschied sie sich, die Zeremonie in Englisch zu halten. Vielleicht war es deswegen so kurz. Sie nahm Notizen zur Hilfe um die gesetzlichen Verpflichtungen der Ehe nach portugiesischem Gesetz darzulegen, und hat das gut hinbekommen. Nur beim Nachnamen der Braut brauchte sie einen zweiten Anlauf und meinte, ihr Russisch sei nicht so gut ;) Danach las sie die Namen der Trauzeugen vor - meinen zuerst - sie guckte, ob ich auch wirklich da bin, ich hob die Hand, sie nickte. Danach Pavan: Name vorlesen, gucken, nicken... ach nein doch nicht (wir hatten einen zweiten Inder im Publikum versteckt). Dann fragte sie die Brautleute die entscheidende Frage und beide antworteten mit Ja. Und dann meinte sie zum Brautpaar: Also wenn sie wollen, können sie jetzt hier unterschreiben, fürs Foto. Aber ich gebe ihnen sowieso gleich einen anderen Zettel mit dem gleichen Inhalt (die Namen und Daten der Brautleute und der Trauzeugen) und eine Unterschrift brauchen wir da nicht.
Danach ging sie ins Nebenzimmer, um die Urkunde fertig zu machen. Derweil unterschrieb die Braut den Zettel - fürs Foto. Aber irgendwas fehlte noch. Pavan hatte immer noch die Ringe einstecken. Ich machte ihn drauf aufmerksam und den Rest - Ringe austauschen und Braut küssen und so - haben wir ohne die Standesbeamtin durchzeremoniert. Sie kam dann wieder und brachte die Unterlagen. Danach war es auch schon wieder vorbei.
Ich nehme an, dass die 'Zeremonie' so nüchtern war, weil es in Portugal eher üblich ist, auch kirchlich zu heiraten und dort die eigentliche Hochzeit stattfindet. Und dann geht man nur noch aufs Standesamt um zu... hmm... was eigentlich? Ich hätte jetzt fast 'unterschreiben' geschrieben. Aber das war ja nur fürs Foto. Nicht mal die Trauzeugen mussten irgendetwas unterschreiben und auch der Bräutigam meinte, dass er während des gesamten Prozesses kein einziges Dokument unterschrieben hat und dass er sich irgendwie veralbert fühlt. Und auch ich hatte mich so gefreut auf die Pflicht eines Trauzeugen! Nicht mal ausweisen mussten wir uns dort.

Kommentare:

  1. Dann habt ihr also eigentlich nichts bezeugt, denn "Ja" sagen kann ja jeder. Da muss doch was unterschrieben werden! Das ist echt merkwürdig. Oder unterschreibt man nur in Deutschland? Echt komisch! Das ist ja mal ne Hochzeit gewesen. Waren das Uni-Freunde? Haben sie sich in Portugal erst kennen gelernt? Wie lange kennen sie sich? Und in welcher Sprache reden sie miteinander?

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  2. Ja, es sind Kollegen. Sie haben sich auf einer Messkampagne in der Mongolei kennengelernt. Das ist schon ein paar Jahre her. Seit 3 Jahren haben sie jetzt in Évora zusammen gelebt. Sie sprechen hauptsächlich englisch miteinander aber sie lernt auch französisch.

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  3. Das ist irgendwie total romantisch! :)

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